Was das Vita so Dolce macht... aus dem Nähkästchen einer 1/4Italienerin

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, besteht bacaro.at aus 2 (menschlichen) Teilen:

Zsolti & Rebecca. Und Rebecca hat - ihrer Aussage zufolge - das größte Glück, italienische Wurzeln zu haben.

Ein persönlicher Beitrag von Rebecca für euch bacaro.at - GaumenFreudLER zum näheren Kennenlernen.


Jetzt werden viele von euch vielleicht sagen,... "Naja, ein Viertel ist doch gar nicht so viel.". Das mag - mathematisch gesehen - vielleicht sogar korrekt sein. Aber Biologie und Ideologie sind immer zwei paar Schuhe, und so ist das auch bei mir. Aber lasst mich einen Erklärungsversuch starten.



Schon von Kind auf - der Erziehung meiner Eltern sei Dank - war Italien immer sehr präsent in meinem Leben. Da zählten nicht nur Sommer- und Verwandtschaftsbesuch in meiner Zweitheimat dazu, sondern auch der Lebensstil, der auch bei uns zu Hause in Österreich praktiziert wurde. Und die Küche, die meine Mamma gekocht hat. Die war nämlich italienisch.

Natürlich wollte ich das als Kleinkind oft verdrängen (um Teil der österreichischen Community zu sein), aber gab's diese typisch-österreichisch bei uns bzu Hause nie. Multi-Kulti war das vSchlagwort, und nun als Erwachsene hat meinvHerz sich - dank dieser Eines der letzten Fotos mit meiner Nonna

sehr offenen Erziehung - dahin gezogen, wo es sich zu Hause fühlt: nach Italien. Das italienische Dolce-Vita, das Dolce-Farniente ... dieses geschäftige zusammensein, der Geschmack und die Liebe, überall präsent. Aber was macht den italienischen Lebensstil denn eigentlich so aus?

Ich nehme für Euch ein paar Alltagssituationen - die, die ich persönlich am allerliebsten mag - unter die Lupe und mache mich auf die Suche nach einer Erklärung für ein Gefühl. Was wohl ein Widerspruch in sich selbst ist, denn Gefühle fühlt man bekanntlich. Aber vielleicht verspürt ihr ja diese Passion, Leidenschaft und die Lebenslust beim Lesen oder praktizieren des italienischen Lebensstils.


Buongiorno: Caffè con Brioche - eine starke, süße Liebschaft

In Italien trinkt man morgens - wie kann es anders sein - Kaffee (nach Belieben; ab 13 Uhr nur noch Espresso) und genießt dazu ein Brioche (zumindest im Norden Italiens, worauf ich mich in diesem Beitrag auch besinnen möchte). Ein Rezept zu Brioche haben wir hier für euch.

In jeder Bar und Pasticceria sind die Hörnchen aus Hefe-Blätterteig erhältlich und mit den köstlichsten Marmeladen und Cremes gefüllt.

Wird zu Hause gefrühstückt so fällt es auch hier ziemlich süß aus: Kekse, Süßgebäck und Obst werden kredenzt.

Für den Genuss Non-Plus-Ultra gönnt man sich noch ein Gläschen Spremuta - frisch gepressten Orangensaft - dazu. Welch eine Köstlichkeit, überhaupt, wenn es Sizilianische Orangen sind.

Es ist in Italien durchaus üblich, das erste Getränk des Tages - den heißgeliebten Kaffee - außer Haus zu konsumieren und sich früh morgens mit den Nachbarn und Freunden in der Bar zu treffen und erste Neuigkeiten und Befindlichkeiten auszutauschen. Dabei hält man sich nicht lange auf - genießt bloß einen schnellen Kaffee an der Theke (al banco) und isst genüsslich sein Brioche.

Ich liebe diese geschäftige Atmosphäre und die ganz besondere Energie, die jede Bar erfüllt wenn ein Kaffee nach dem Anderen über den Tresen wandert, allerlei Zeitungen überflogen und nebenbei Neuigkeiten daraus im Dialekt diskutiert und kommentiert werden. Nicht selten sind dabei Meinungen über das Fußballgeschehen oder Liebschaften von Promis wichtiger als die über das Weltgeschehen.


Fare la Spesa - Einkauf ... Stilecht am Markt

Wenn möglich kaufen ItalienerInnen gerne am Markt - sofern vorhanden - ein. Dabei legen sie höchstes Augenmerk auf frische, regionale und saisonale Produkte. Ein wunderbares Beispiel dafür ist der Mercato in Venedig. Natürlich mittlerweile auch eine Touristenattraktion kann man trotzdem VenezianerInnen dabei beobachten, wie sie frisches Obst und Gemüse von der Isola Sant' Erasmo - der größten Insel der Lagune, auf der vor allem Landwirtschaft betrieben wird - begutachten und - im besten Fall - erstehen.

Einkaufen ist in Italien meiner Meinung nach generell ein ganz besonderes Erlebnis - nicht nur, wenn man es selbst tut. Auch andere Menschen beim Einkaufen zu beobachten kann durchaus unterhaltsam und lehrreich sein. ItalienerInnen haben ein feines Gespür für Qualität und eine bestimmte Vorstellung von Nahrungsmitteln, die natürlich auch getroffen werden muss. Sie sind wählerisch und das ist meiner Meinung nach ein Geheimnis der italienischen Küche: nur beste Zutaten werden verwendet, liebevoll und mit viel Zeit zubereitet und das Mahl, das daraus entsteht, mit Andacht und Genuss verzehrt.

Natürlich könnte man meinen, dass ItalienerInnen beim Einkauf ziemliche nazionalisti (bitte jetzt nicht falsch verstehen) sind - aber das kommt natürlich auch der Wirtschaft zugute. Qualität aus Italien wird geschätzt und verehrt und stärkt nicht nur den Nationalstolz sondern auch die eigene Ökonomie.


"Dai, andemo a bèver un'ombra"

Besonders im Veneto ist es üblich, auch zwischendurch mal die kleinen Bars und Bacari (Mehrzahl von Bacaro) zu besuchen um sich zwischendurch zu stärken. Entweder man gönnt sich einen weiteren Kaffee, ein sprudelndes Sodagetränk oder im Veneto 'un ombra' zu trinken. Un ombra bezeichnet dabei ein Glas Wein. Natürlich scheuen ItalienerInnen auch nicht davor zurück, ein Glas Prosecco am helllichten Tag zu trinken ;-) Wein in Maßen - ob sprudelnd oder nicht - soll ja gesund sein. Und das ist eine der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die man in Italien ziemlich ernst nimmt.

Gerne werden dazu Cichetti (kleine belegte Brötchen), Tramezzini (typisch venezianisch) oder ein paar Chips (Patatine) genascht. Schon ist man gestärkt für das weitere Tagesgeschehen.

Abends - oder auch schon Spätnachmittags - gönnt man sich gerne einen Aperitivo. Hier werden zu Prosecco oder auch den klassischen Prosecco-Cocktails wie Aperol, Select oder Bellini (um venezianisch zu bleiben) kleine Häppchen (oben genannte Cichetti) oder ein paar Oliven und Patatine gegessen. Ich meine, dass es sich vom nachmittäglichen "ombra" nicht wirklich unterscheidet... es wird guter Prosecco und Wein zu ein paar Leckerbissen genossen. Welchen Namen man dem Kind letztendlich gibt, entscheidet wohl die Uhrzeit. Hauptsache man ist unter Freunden und spürt die Liebe.






Mangiare - è una storia d'amore

Essen - Liebesgeschichte

Wer liebt sie nicht - die italienische Küche mit Pizza, Pasta, Gemüse, Eintöpfen, Fisch und geschmortem Fleisch. Jede Region hat ihre typischen Rezepte, Gewürze und Geschmäcker und genau das macht Italien so einzigartig. Man besinnt sich auf das, was seit Jahrhunderten in der Region gekocht und zubereitet wird, man macht es 'alla Nonna' - wie man's von Oma gelernt hat. Das, die Liebe zum Kochen und zum Genießen, machen meiner Meinung nach die italienische Küche so einzigartig.

Zu meinen Absoluten Favoriten der venezianischen Küche gehört - ganz klar - Baccalà (für mich am liebsten mit Polenta) oder jeder erdenklicher Fisch 'in Saor'. Das ist eine süß-saure Marinade, in der kurz gebratener Fisch (meist Sardinen), Garnelen (die ich persönlich bevorzuge) oder auch Gemüse (ich mag dabei besonders gerne rote Rüben) eingelegt werden und zu Weißbrot serviert wird.

Generell essen die ItalienerInnen gerne einmal pro Tag mehrere Gänge, und das sehr ausgewogen. Während es meist Mittags nur ein leichtes Salat- oder Pastagericht gibt, wird abends gerne aufgekocht. Nach einem Antipasto (Vorspeise), folgt ein Primo. Als Primo Piatto wird gern Pasta oder Risotto serviert. Traditionell wird in Venedig Pasta eher Risotto serviert, da Pasta als "arme Leute essen" galt und den Patriziern der Serenissima natürlich nicht gerecht wurde. Heute jedoch muss ein/e jede/r mal venezianische 'Pasta al Nero di Seppia' probiert haben.

Zum Hauptgang - dem Secondo Piatto - wird gern Fisch oder Fleisch serviert. Dazu gegrilltes, geschmortes oder gekochtes Gemüse. Mein Favorit ist ganz klar frischer Fisch aus dem Ofen mit Tomaten, Oliven und Kartoffeln geschmort - 'Pesce al forno' . Dieses Aroma ist unübertrefflich herrlich und einzigartig. Ein Tipp für deinen nächsten Italien - Urlaub am Meer meinerseits: frag den Kellner nach dem Fisch des Tages 'pesce del giorno' - der wird meist 'al forno' serviert. Einfach köstlich!

Italienische Desserts - 'dolci' - sind etwas ganz Besonderes. Hier gibt es viel zu entdecken. Wem nach einem ausgiebigen Mahl nach etwas Leichtem zumute ist, der bestellt sich 'biscotti' - wie zum Beispiel Cantucci, Zaeti oder anderlei (meist hausgemachtes) Kleingebäck, das zu süßem Weißwein oder Prosecco gereicht wird.

Einer meiner persönlichen Favoriten ist aber ein richtig guter Sgroppino: ein Cocktail aus Vodka, Zitronensorbet und Prosecco. Damit hat man mein Herz im Sturm erobert!

Wer noch Platz im (Dessert)Magen hat (haha, was für eine Metapher, meiner Meinung nach ist IMMER Platz für ein Dessert), der gönnt sich klassischer Weise ein Tiramisù oder Panne Cotta - auch hierzulande sehr bekannte und geschätzte Desserts. Ich persönlich lieber allerlei mit Pistazien. Diese Nüsse finden in der Österreichischen Küche selten an Beachtung, werden in Italien aber gern verwendet. Dasselbe gilt für Mandeln. So hat jede Küche ihre Eigenheiten, die sie besonders, liebenswert und einzigartig machen. Was für ein Glück!

Was in Italien gerne nach dem Essen getrunken wird - und vor allem im Veneto seine Berechtigung hat - ist Grappa. Er schließt den Magen und wirkt bekömmlich. Für mich hat vor dem Grappa köstlicher Limoncello Vorrang. Ich mag's gern ein bisschen leichter :-)


Wie ihr bestimmt mitbekommen habt, ist das Kochen und Essen nicht nur mein Beruf, sondern auch meine Berufung und Leidenschaft. Vor allem in der italienischen Küche fühle ich mich sehr Zuhause und liebe es die Rezepte meiner Nonna und Mamma nachzukochen oder neu zu interpretieren.




Fare la passeggiata - sehen und gesehen werden

Auch hier in Österreich gibt es das Sprichwort: "Nach dem Essen sollst du ruh'n oder tausend Schritte tun." . In Italien entscheidet man sich da schon wohl für die tausend Schritte. Aber nicht zwingend nach dem Essen, sondern generell sind die Italiener ein Flanier-Freudiges Volk. Zum Aperitivo in eine Bar spazieren, vor dem Essen eine Runde drehen, oder auch frühmorgens sich sportlich an der frischen Luft zu betätigen ist sehr beliebt. Man trifft dabei die Nachbarn und Freunde, hält ein kurzes Pläuschchen und geht dann wieder weiter. Eine wunderbare Angewohnheit, wie ich finde.



Das Land, in dem wir leben dürfen - Österreich - ist wirklich wunderbar schön, hat unglaublich viel zu bieten. Die Natur ist einzigartig und auch die Küche wirklich köstlich. Doch - und dieser Beitrag wäre nicht von mir geschrieben, wenn ich diesen Satz nicht bringen würde - schadet es wohl dem Herzenswohl nicht, wenn man den einen oder anderen Aspekt des "Dolce Vita" auch hierzulande praktiziert - überhaupt in Zeiten wie diesen wo Reisen auf noch unbekannte Zeit in der Zukunft verschoben werden müssen.

Falls ihr es jetzt bis hier unten geschafft habt, den Beitrag voller Aufmerksamkeit zu lesen, bedanke ich mich - und freu mich über DEIN Interesse. Danke, dass DU da bist.

Alles Liebe,

Rebecca

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